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Über so viel Dreistigkeit zeigte sich dann auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sören Bartol, schlicht erstaunt. In Berlin wende sich die CDU zusammen mit dem hiesigen Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch gegen alle SPD-Anträge zur Reduzierung des Bahnlärm im Mittelrheintal und im Rheingau. Nun sprechen sich Willsch mit anderen CDU-Bundes- und Landespolitiker plötzlich für die Initiative aus, das Mittelrheintal zur Modellregion für den Lärmschutz zu machen. „Der Kollege Willsch hätte nur den Anträgen der SPD im Bundestag im Jahr 2011 und 2012 zustimmen müssen, dann könnten wir gemeinsam Maßnahmen zur Reduzierung des Bahnlärms ergreifen“, so Bartol. Unredlich und unseriös sei es aber, dass Willsch in Berlin seit Jahren keinen Handschlag für die bahnlärmgeplagte Region tue, sich dann aber – und dies kurz vor der Bundestagswahl – vor Ort als die Speerspitze der Bewegung gegen den Bahnlärm darstellen will.


Sören Bartol war auf Einladung der SPD nach Oestrich-Winkel gekommen, um einerseits SPD-Bürgermeister-Kandidat Werner Fladung in seinem Wahlkampf zu unterstützen, andererseits mit den Oestrich-Winklern über geeignete Mittel im Kampf gegen Bahn- und Fluglärm zu diskutieren. Ein Thema, das nicht nur Fladung, der fast direkt an der Bahnlinie wohnt, auf den Nägeln brennt. „Der Bahnlärm wird immer unerträglicher“, bekannte Fladung unter der Zustimmung der Anwesenden dann auch. Güterzüge donnerten 24 Stunden lang durch den Rheingau. Mancher Zug erreiche dabei Lärmwerte von bis zu 110 Dezibel.

„Wer an der Bahnlinie wohnt, wird nachts immer wieder aus dem Schlaf geschreckt, wenn die Güterzuge durch die Orte rattern“, berichteten Willi Pusch und Wolfgang Schneider von der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm. Die Erschütterungen sorgten dafür, dass es Risse in den Häuserwänden gibt. Erfahrungen, von denen auch der Vorsitzende des Rheingau-Bundes gegen Bahnlärm, Karl Ottes, zu berichten wusste. Die Lebensqualität ginge dadurch immer mehr verloren. Die Menschen zögen immer öfter aus den Orten entlang der Bahnstrecke weg.

„Ich kenne die Situation vor Ort durch viele Besuche hier im Rheingau und im Mittelrheintal“, so Bartol. Er sprach sich für ein Tempolimit für Güterzüge sowie ein Nachtfahrverbot für besonders laute Güterzüge aus. Wirkliche Hilfe für die Menschen verspricht sich der SPD-Bundestagsabgeordnete aber vor allem von lärmabhängigen Trassenpreisen. „Güterzüge, die besonders laut sind, müssen höhere Trassenpreise zahlen. Dann wird ein Anreiz zum Umrüsten der Waggons geschaffen“, betonte Sören Bartol.

Mittlerweile sind aber nicht nur die Güterzüge eine Lärmquelle. Auch der Fluglärm nimmt zu. Charles Pallas berichtete von den Aktivitäten der Bürgerinitiative gegen den Fluglärm. Bei Ostwind erfolge der Anflug auf den Frankfurter Flughafen über den Rheingau. Dann kann man die Flugzeuge – wie an der Perlenschnur aufgezogen – am Himmel erkennen, die dann über Oestrich-Winkel einschenkten, um dann über Rheinhessen Richtung Flughafen zu fliegen. Pallas plädierte dann auch dafür, die Flugzeuge deutlich höher als bisher über den Rheingau fliegen zu lassen.

In der anschließenden Diskussion machte Anwesende deutlich, dass der Grad des Zumutbaren längst überschritten ist. Der Lärm ist unerträglich und nimmt weiter zu. Getan werde aber nichts. In der Veranstaltung riefen Pusch und Schneider dazu auf, sich an der Demonstration gegen Bahnlärm am 28. April 2013 in Bonn zu beteiligen. „Wir müssen deutlich machen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen!“

 


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